Amerika Irak

Vor 20 Jahren begann die US-Invasion im Irak. Hunderttausende Iraker und fast 4500 US-Soldaten starben. Der Irak-Krieg hat auch in den USA bis heute Folgen: für die Amerikaner selbst - und für ihr Ansehen in der Welt.

Es ist kurz nach 22 Uhr Ortszeit in Washington am 19. März 2003: US-Präsident George W. Bush verkündet seinen Landsleuten, dass der Einmarsch der USA im Irak begonnen hat.

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Es ist die Rede, die das Leben von Aiden Delgado, der heute in San Diego lebt, komplett verändert: Nur einen Monat später findet er sich mit seiner Einheit in Bagdad wieder. Weil der 19-jährige Diplomatensohn ein bisschen arabisch kann, arbeitet er als Verwaltungskraft im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib.

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Ausgerechnet am 11. September 2001, also gleichzeitig mit den Terroranschlägen in New York und Washington, hatte sich Aiden zur Ausbildung als Armee-Reserveoffizier angemeldet - und nicht im Traum daran gedacht, mal tatsächlich in den Krieg ziehen zu müssen, wie er im Interview mit dem

Er habe den Krieg für einen schrecklichen Fehler gehalten und nicht geglaubt, dass Saddam Hussein eine Gefahr für die USA war: Ich dachte, die Gründe wurden fabriziert, um George W. Bush gut aussehen zu lassen. Und ich habe ihn dafür gehasst, dass er mich zum Teil seiner amoralischen Tat gemacht hat.

Mit dieser Meinung ist Delgado damals noch in der Minderheit. Zwar gibt es auch in den USA lautstarke Demonstrationen gegen den Krieg. Aber die Mehrheit der Amerikaner glaubt damals der Mär von den Bergen von Massenvernichtungswaffen und den angeblichen Verbindungen des Diktators zum Terrornetzwerk Al Kaida. Im Kongress bekommt Bush von Republikanern und Demokraten grünes Licht für seinen Krieg.

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In den zwei Jahrzehnten seither hat sich das Meinungsbild gedreht: Nach einer aktuellen Umfrage des Forschungsinstituts Ipsos glauben nur noch 36 Prozent, dass die Irak-Invasion richtig war. Nur 31 Prozent meinen, dass die USA dadurch sicherer geworden sind.

Michael O'Hanlon von der Denkfabrik Brookings in Washington wundert das nicht: Der Irakkrieg war unglaublich teuer. Was die Dollar-Beträge angeht, aber auch für Amerikas Prestige, die Energie, die er dem Land geraubt hat, die Polarisierung, die er vertieft hat. Nicht ganz Vietnam. Aber gleich dahinter.

O'Hanlon gehört zu den sogenannten Falken, die den Krieg damals unterstützten. Als kompletten Misserfolg will er ihn bis heute nicht sehen: Schließlich sei ein brutaler Diktator abgesetzt worden. Eine Demokratie sei natürlich besser - auch wenn sie immer noch nicht stabil ist. Aber O'Hanlon räumt ein: Der Einsatz war viel schwieriger, blutiger und länger als viele - inklusive ihm selbst - damals erwarteten.

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Wie viele Analysten in den USA zieht auch O'Hanlon eine Linie vom Irakkrieg zur Präsidentschaft von Donald Trump. Der Krieg vertiefte das Misstrauen vieler Amerikaner gegenüber ihrer Regierung und die Zweifel der US-Außenpolitik mit Militäreinsätzen in weit entfernten Ländern. Genau in diese Wunde habe Trump erfolgreich immer wieder geschlagen, mit seiner Polemik gegen Bush und die endlosen Kriege.

Auch Amerikas Ansehen in der Welt schadete dieser Krieg. Nicht nur, weil die Geheimdienstinformationen über Waffenprogramme falsch waren, sondern auch, weil es so schien, als ob das der Bush-Regierung eigentlich egal sei, sagt O'Hanlon. Aber der Krieg in der Ukraine zeige auch, dass dieser Image-Schaden nicht dauerhaft sein müsse. Schließlich hätten die meisten Europäer den US-Geheimdienst-Informationen zu Putins Plänen geglaubt.

Fast eine Million US-Soldaten insgesamt dienten in den acht Jahren Krieg. Viele sind traumatisiert. Tausende haben sich das Leben genommen. Aber ein Fehler, gar eine Schande? Craig Auriemma aus Hoboken in New Jersey will davon nichts hören. Zweimal war der Hauptfeldwebel im Irak im Einsatz: Ich bin stolz auf meinen Part in diesem Krieg.

Irakisches

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Amerika sei dadurch sicherer geworden. Er verstehe nicht, warum der Einsatz von ihm und seinen Kameraden nicht gewürdigt werde - etwa mit einem Memorial, einer Gedenkstätte an der Mall in Washington. Das sei schon sehr enttäuschend.US-Truppen stürzten 2003 Saddam Hussein, später bekämpften sie im Irak den IS. Eine funktionierende Demokratie gibt es in dem krisengeplagten Land aber noch immer nicht. Wird der US-Einsatz zu einem Fiasko?

Bagdad/Washington - Die Hälfte der heutigen irakischen Bevölkerung war noch nicht auf der Welt, als der Irak-Krieg vor 20 Jahren begann. Das Leben unter dem autoritär herrschenden Saddam Hussein, den die US-geführte internationale Koalition damals stürzte, kennen sie nur aus Erzählungen. Die Folgen des US-Einmarsches aber prägen das Land bis heute.

Den USA ist es nicht gelungen, im Irak Stabilität oder gar eine funktionierende Demokratie zu etablieren. Wahlen im Land ändern an den realen Machtverhältnissen nur wenig. Das erinnert an die Lage in Afghanistan: Auch dort strebten die Amerikaner eine politische Umgestaltung an - und scheiterten. Nach dem chaotischen Abzug der Nato-geführten Truppen übernahmen dort die Taliban wieder die Macht.

Usa Und Irak Flagge Stockfotografie

Auch im Irak ist die Lage trotz langjähriger US-Präsenz alles andere als rosig. Die Menschen sind frustriert über die weit verbreitete Korruption und Misswirtschaft. Obwohl der Irak zu den ölreichsten Ländern der Welt gehört, fällt ständig der Strom aus. Immer wieder kommt es zu Massenprotesten gegen die Führung und ihre Klientelpolitik. Wohl auch deshalb stellen Iraker eine große Gruppe unter den Schutzsuchenden, die in Deutschland Asyl beantragen.

Der US-Militäreinsatz änderte das Kräftegleichgewicht im Irak - und der gesamten Region. Nutznießer war das schiitische Nachbarland Iran, das mit Hilfe von Milizen großen Einfluss im Irak gewann. Diese Milizen stehen auch im Verdacht, Stellungen der US-geführten Koalition anzugreifen, die sie aus dem Land drängen will.

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Schiitische Muslime stellen im Irak die Mehrheit. Seit der US-Invasion dominieren sie - gespaltenen in verschiedene Lager - die Politik. Für viele zuvor privilegierte Sunniten waren die Umbrüche frustrierend. In den Reihen des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS), das 2014 große Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht hatte, fanden sich auch viele Sunniten, die früher in Saddams Armee gedient hatten. Als die USA nach dessen Sturz das Militär auflösten, fühlten sich die Soldaten gedemütigt. Der IS nutzte zudem das Chaos nach der US-Invasion aus, um sich im Land auszubreiten.

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Die amerikanischen Truppen waren 2011 zunächst aus dem Irak abgezogen, kehrten aber knapp drei Jahre später wieder zurück, um die örtlichen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den IS zu unterstützen.

Die Terroristen töteten, verschleppten und versklavten im Irak auch Tausende Angehörige der jesidischen Religionsgemeinschaft. Noch immer leben seitdem etliche vertriebene Jesiden in Flüchtlingslagern.

Das US-Militär habe den IS durch den Einsatz geschwächt, betonte kürzlich der Befehlshaber des für die Region zuständigen Kommandos des US-Militärs (Centcom). Die andauernde Truppenpräsenz sei essenziell, um die Sicherheit in der Region und den Schutz der USA zu erhalten. Trotz der militärischen Niederlage verüben IS-Zellen weiterhin Anschläge in der Region und auch darüber hinaus. Einige Experten fürchten, der IS könne wieder erstarken, sollten die US-Truppen irgendwann aus dem Irak abziehen - und damit eine noch größere Flüchtlingsbewegung Richtung Europa auslösen.

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Das US-Militär bildet heute vor allem Iraks Armee aus. Rund 2500 amerikanische Soldaten sind noch im Land stationiert. In der amerikanischen Bevölkerung findet der begrenzte Einsatz kaum noch Unterstützer - ist aber auch kein politischer Zankapfel mehr.

Irak:

Am 20. März 2003 waren US-Truppen in den Irak einmarschiert. Der damalige US-Außenminister Colin Powell behauptete, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen. Gefunden wurden diese jedoch nie. Hunderttausende Menschen kamen in dem Krieg ums Leben.

„Der US-Militäreinsatz im Irak war in den ersten Jahren von sehr vielen Fehlschlägen gekennzeichnet“, sagt der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger der Deutschen Presse-Agentur. Die USA hätten die gesellschaftliche Situation sowie den Zustand des Staates völlig fehleingeschätzt. Dennoch seien nicht alle aktuellen Probleme im Irak auf die Fehler der USA zurückzuführen, betont der Wissenschaftler der Universität Wien, der derzeit als Gastprofessor in Erbil ist. Der Irak sei heute ein sichereres Land als noch vor dem US-Einsatz. Schmidinger zufolge ist es auch „gut vorstellbar, dass die US-Truppen hier wesentlich geregelter abziehen werden als aus Afghanistan.“ dpaAls ich 12 war, riss Saddam Hussein als damaliger Vizepräsint s Irak im Zuge massiver Menschenrechtsverletzungen und Massenhinrichtungen die gesamte Macht an sich. Ich lebte damals in Bagdad und entwickelte schon früh einen intuitiven, abgrundtiefen Hass auf n Diktator.

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Dieses Gefühl verstärkte sich im Laufe r Zeit und blieb mein steter Begleiter. En r 1990er Jahre schrieb ich meinen ersten Roman I'jaam: An Iraqi Rhapsody über das tägliche Leben unter Saddams autoritärer Herrschaft. r Erzähler Furat war ein junger Stunt, r wie ich englische Literatur an r Universität Bagdad studierte.

Er lante im Gefängnis, weil er einen Scherz über n Diktator machte. In seinen Fantasien stellte sich Furat vor, Saddams wür gestürzt. So wie ich es mir auch oft vorgestellt hatte. Ich hoffte, ich könnte diesen Moment eines Tages tatsächlich erleben – ob im Irak or aus r Ferne.

Ein paar Monate nach m Golfkrieg 1991 verließ ich n Irak und ging an eine Hochschule in n Vereinigten Staaten. Dies ist seitm meine Wahlheimat. Als 2002 die amerikanische Öffentlichkeit auf n Irak-Krieg eingestimmt wur, war ich entschien gegen die geplante Invasion.

Militär:

Vergrößerte Landkarte Des Irak Auf Der Amerika Zentrierten Weltkarte. Vergrößerte Landkarte Und Flagge Des Irak. Vektorvorlage Stock Vektorgrafik

Die Vereinigten Staaten hatten bisher die Diktatoren in r arabischen Welt konsequent unterstützt. Ihr Geschäft war durchaus nicht r mokratieexport, auch wenn die Bush-Administration es in ihren Parolen anrs darstellte.

Ich erinnerte mich, wie ich als Teenager im Wohnzimmer meiner Familie zusammen mit meiner Tante saß und irakisches Fernsehen sah. Die Nachrichten zeigten Donald Rumsfeld als Abgesandten von Ronald Reagan in Bagdad, wie er und Saddam sich die Hand reichten . Diese Erinnerung ließ die Worte von Herrn Rumsfeld im Jahr 2002 über Freiheit und mokratie für Iraker